Eine Ethnologin bei NGUVU Edu Sport e.V.

Als angehende Ethnologin, deren Schwerpunkt regional auf Ostafrika und thematisch auf der Entwicklungszusammenarbeit liegt, freute ich mich sehr, dass ich durch Lothar Firlej die Chance erhielt, meine Masterarbeit über sein Projekt NGUVU Edu Sport e.V. zu schreiben. Einem Masterabschluss im Fach Ethnologie geht notwendigerweise eine Feldforschung voraus, und so wurde ich von der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main für vier Monate „ins Feld“ nach Juja, an den Projektstandort von NGUVU Edu Sport e.V. geschickt. Anfang November 2017 kam ich in Juja an und begleite das Projekt seither, mit Ausnahme eines kurzen Heimaturlaubs über Weihnachten, als Ethnologin täglich mit Stift und Block. Neben der reinen Beobachtung und Erfassung von Daten und Abläufen, zum Beispiel im Training, in der Arbeit mit Straßenkindern, der Straßenfußballliga oder anderer Aktivitäten von NGUVU Edu Sport e.V., nehme ich selbst so aktiv wie möglich an den Programmen teil. Ich bin bei Wanderausflügen dabei, lasse mir beibringen, wie man Ugali oder Sukuma Wiki kocht und durfte sogar selbst bereits kleinere Trainingseinheiten zum Thema Selbstverteidigung und Joga gestalten. Der Forschungsschwerpunkt meiner Arbeit, die den Titel „Sporterziehung und Wertevermittlung in Kenia am Beispiel der Organisation NGUVU Edu Sport e.V.“ trägt, liegt auf dem NGUVU Edu Sport-Selection Team. Entlang mehrerer Themen wie Sporterziehung bzw. Erziehung durch Sport, Werte und Wertevermittlung, den Besonderheiten des Forschungsstandorts Kenia, Straßen-, Waisen-, Flüchtlingskindern als Informanten und Entwicklungszusammenarbeit als Basis möchte ich den Werdegang der einzelnen Mannschaftsmitglieder bei NGUVU Edu Sport e.V. aufzeigen und den Fragen nachgehen,

welche Elemente der Arbeit von NGUVU Edu Sport e.V. sich entscheidend auf die Wertebildung der Kinder auswirken, mit welchen anderen potenziell gegensätzlichen Werten der Teilnehmer diese im Konflikt stehen können und inwiefern sich diese Wertideen in der sozialen Realität der Kinder abbilden. Neben der angesprochenen teilnehmenden Beobachtung hoffe ich, diese und weitere Fragen hauptsächlich durch Interviews zu beantworten, die ich mit allen Kindern, deren Familien, den NGUVU Edu Sport e.V. - Coaches, dem Gründer Lothar Firlej und anderen Akteuren in Juja durchführe.  

Dabei hätte ich mir für meine Forschung kein zugänglicheres und dankbareres Feld aussuchen können. Lothar Firlej führte mich mit großer Ruhe und Beständigkeit in sein Projekt ein, beantwortete mit Engelsgeduld auch die zehnte Nachfrage meinerseits und gewährte mir in alle Bereiche seines Projekts einen umfassenden Einblick. Die Kinder und Trainer der Mannschaft nahmen mich ohne Umschweife freundschaftlich und herzlich im Team auf und kümmerten sich keinen Deut darum, dass ich nun die einzige Frau unter ihnen darstellte. Ich habe selten so bescheidene, disziplinierte und motivierte Kinder gesehen, die trotz ärmster Lebens- und Familienverhältnisse mit großer Freude durchs Leben gehen und mir unheimlich liebevoll begegnen - ob sie mich nun zum Mitspielen und Mitreden ermutigen, ihr Essen mit mir teilen wollen oder versuchen, mir mehr Kiswahili beizubringen. Auch in der Gemeinde von Juja wurde ich von allen Seiten warmherzig empfangen und aufgenommen. In der Pause, die ich über Weihnachten in Deutschland eingelegt habe, hat mir NGUVU Edu Sport e.V. sehr gefehlt und ich bin unendlich froh und dankbar, nun noch zwei weitere Monate mit dem Team und dem NGUVU Edu Sport e.V. - Projekt verbringen zu dürfen.  

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